Hamburger Abendblatt vom 21.07.2014:

Oberschule Rosengarten ist jetzt MINT-Schule

Die Oberschule Rosengarten ist eine von insgesamt drei niedersächsischen Schulen in, die den MINT-Titel trägt.
Die Jury überzeugte das fächerübergreifende Denken an der Nenndorfer Bildungsstätte

Von Bianca Wilkens

Foto: Bianca Wilkens

Thomas Küll (v.l.), Peter Golinski, Marthe Pünjer und Ditmar Hagen präsentieren das MINT-Schild

 

Rosengarten-Nenndorf. Die Titel für die Oberschule Rosengarten häufen sich. So langsam wird es eng für all die Schilder an der Außenwand. Vor wenigen Monaten wurde die Oberschule als Comenius-Schule ausgezeichnet. Jetzt wurde sie zur MINT-Schule Niedersachsen ernannt. Das Schild am Eingang der Oberschule in Nenndorf zeigt damit: Die Schule hat einen überdurchschnittlich erfolgreichen Schwerpunkt in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT).

Seit zwei Jahren vergeben die Stiftungen der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie in Kooperation mit dem Niedersächsischen Kultusministerium die Exzellenzauszeichnung. In diesem Jahr wurden neben der Oberschule Rosengarten die Schule am Dobrock in Cadenberge und die Molitoris-Schule in Harsum ernannt. Insgesamt tragen bislang elf Schulen den Titel. Mit der Auszeichnung ist eine finanzielle Unterstützung von 2000 Euro verbunden, die in die weitere MINT-Ausstattung der Schule fließen soll. Außerdem erhält die Schule Zugang zu exklusiven Förderangeboten wie Fortbildungen, jährlichen Netzwerktreffen und Tagungen.

Mehrere Aspekte überzeugten die Jury: Der Europäische Computerführerschein, der schülerorientierte Ansatz "Lernen durch Lehren" und das fächerübergreifende Denken an der Oberschule Rosengarten. Mit dem Computerführerschein haben die Schüler die Möglichkeit, ihre Computer-Kenntnisse von einer außerschulischen Institution überprüfen und bescheinigen zu lassen.

In den Naturwissenschaften werden Schüler zu Fachhelfern. Sie schlüpfen in die Rolle des Lehrers und stehen ihren Klassenkameraden zur Seite. Dabei werden gezielt leistungsschwächere Schüler angesprochen, damit sie in ihrer Spezialistenrolle ein positives Lernerlebnis haben.

Das fächerübergreifende Denken lässt sich am besten am Beispiel des Ausflugs zum Ponyhof erklären. Fünft-, Sechst- und Siebtklässler fahren eine Woche lang auf den Reiterhof. Doch dort ist nicht nur Streicheln und Striegeln angesagt. Indem die Schüler ein halbes Jahr lang auf den Ausflug vorbereitet werden, lernen sie physische und biologische Aspekte.

Wenn sie aufs Pferd steigen, wissen sie, welche Hebelwirkung dahinter steckt, welche Rolle das Gewicht und der Winkel des Beines spielt. Auf dieser spielerischen Art lernen sie, warum und wie sie etwas tun. "Wenn die Schüler motiviert sind, sich mit einem Thema zu beschäftigen, stören sie auch nicht die schwierigeren Dinge daran", sagt Peter Golinski, Bereichsleiter Bildung und Wissenschaft bei der Nordmetall Stiftung. Aus seinen Händen bekam die kommissarische Schulleiterin Marthe Pünjer das Auszeichnungsschild überreicht. "Wenn sich die Schüler auf dieser Art dem Thema nähern, nehmen wir ihnen auch die typische Angst vor diesen Fächern", sagte sie.

Das Thema Informatik zieht sich durch alle Jahrgänge von der Klasse fünf bis zehn, da die Plattform IServ in den Unterricht eingebunden wird. Die Schüler können mit Gleichgesinnten und Lehrern chatten, Daten austauschen, im Internet recherchieren. Sie lernen, Briefe zu schreiben und Präsentationen zu erstellen. "Das geschieht ganz beiläufig", sagt Konrektor Ditmar Hagen. So kam die Jury auch zum Ergebnis, dass der Leitsatz "Lernen fürs Leben" an der Oberschule Rosengarten auch gelebt wird. Thomas Küll war beeindruckt vom "toll abgestimmten Fahrplan und der Leidenschaft im Unterricht". "Ich habe mit den Schülern gesprochen. Wie viel sie wissen, ist toll", sagte er.

Die Stiftungen verfolgen natürlich auch ein Eigeninteresse mit den MINT-Auszeichnungen. Sie wollen den Nachwuchs fördern. Im April 2014 fehlten Deutschland in den MINT-Berufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – 117.300 Arbeitskräfte. Zwar herrscht der größte Mangel (49.300) immer noch in den Expertenberufen, die in der Regel von Akademikern ausgeübt werden. Aber auch viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt (41.500). Ähnlich sieht es in den Spezialistenberufen mit einem Mangel an 26.500 Arbeitskräften.

Da werden vor allem Meister und Techniker gesucht. Peter Golinski geht davon aus, dass der Mangel in der dualen Ausbildung noch eklatant wachsen wird. "Das wird zum ganz großen Problem", fürchtet er. Mit der MINT-Auszeichnung wollen die Stiftungen dagegen an kämpfen.